Am letzten Tag ging es (für mich sozusagen früh morgens) um 11:00 Uhr zur Preisverleihung des 11. Bremer Filmfests. Eine schöne Überraschung war für mich, dass Xav Clarke die musikalische Begleitung übernommen hatte. Der Gute spielte nämlich letztes Jahr in der Helga-Kneipe, wo ich als Teil der Veranstaltungsgruppe des Kneipenvereins Konzerte organisiere. Und dabei habe ich Xav nicht nur als hochtalentierten, sondern auch als supersympathischen Künstler kennengelernt. Daher habe ich mich sehr gefreut, ihn wiederzusehen und zu hören.
Auch bei dieser Abschlussveranstaltung merkte man, dass auf die Zeit geachtet und das Ganze, was bei so vielen zu vergebenden Preisen eh schon seine Zeit dauerte, nicht noch künstlich in die Länge gezogen wurde. Die Moderation übernahmen Ilona und Marc, für mich die Gesichter des Filmfests. Ich weiß natürlich, dass der Mann ganz oben an der Spitze Matthias Greving ist; aber da ich ihn immer nur bei der Gala und dem Abschluss wahrnehme, mag er der kühle Kopf sein, aber für mich schlägt das feurige Herz des Filmfests eben woanders.



Wenn man zu einer der Sichtungsgruppen gehört und auch noch Moderationen übernimmt bzw. mit seiner Kinoreihe Teil des Filmfests sein darf, dann ist man natürlich ganz besonders involviert. Als Mitglied der Sichtungskommission „Innovation“ hat man den Auswahlprozess der Filme ein halbes Jahr begleitet, in dieser Zeit Favoriten gehabt und um diese gekämpft (wobei das immer eine sehr harmonische Diskussion war). Dann hat man natürlich ein ganz anderes Verhältnis zu den Filmen und hofft, dass diese auch etwas gewinnen. Und als dann „When the Phone Rang“ und „Farewell, Emille“ jeweils einen Preis gewannen, freute mich das dann auch persönlich sehr.




Und mein Favorit aus meinen Besuchen beim Filmfest, „Dreaming of Lions“, gewann auch etwas. Wunderbar. Verkündet wurde dieser Gewinn übrigens vom Schauspieler Florian Lukas, der hier auch in der Jury saß.
Spannend auch, dass in diesem Jahr ein Film, „I Am Gitxsan“, gleich in zwei Kategorien (Publikumspreis und den neuen „Global Lokal“-Preis) gewann. Das gab es bislang auch noch nie. Den Film holte ich dann später mal nach – und der Preisregen fand völlig zu Recht statt. Und ein weiterer meiner Favoriten, „Winter of the Crow“, erhielt den 2. Preis bei der Publikumsabstimmung. Da war ich auch mit zufrieden.
Und zu guter Letzt freute ich mich auch sehr darüber, dass der extrem intensive und empfehlenswerte Dokumentarfilm „Einhundertvier“, welcher aufgrund seiner ungewöhnlichen Bildkomposition (die Leinwand ist fast immer in sechs statische Kameraeinstellungen aufgeteilt) auch in der Innovations-Sparte nominiert war, als Bester Langfilm in der Kategorie „Gateways to the World“ gewann.






Mein persönliches Highlight war dann, dass mein Bekannter Jan van Hasselt mit seinem „Manche Dinge sollten ansteckend sein“ völlig zu Recht den Preis für den besten Bremer Kurzfilm gewann. Was für ihn sichtbar eine völlige Überraschung war. Super! Gefreut habe ich mich auch für die Macherinnen der Doku „Freiraum“ über das ehemaligen Bremer Frauenprojekt Buntentor. Den muss ich unbedingt mal nachholen.




Eine wirklich schöne und gelungene Veranstaltung, die auch gleich Appetit auf das nächste Jahr machte. Und irgendwie hatte es auch etwas Familiäres, wo man sich als Teil des Festivals und diesem irgendwie zugehörig fühlte. Und nicht als „bloßer“ Zuschauer.



Da es draußen in Strömen regnete, blieben wir im Noon – dem Foyer des kleinen Theaters –, wo ich ein paar schöne Gespräche führte und mich mit Jan und Mops ablichten ließ. Zudem konnte man dort für günstiges Geld auch noch etwas zu Essen kaufen, was bei einem so langen Tag immer von Vorteil ist.
Um 17:00 Uhr ging es dann mit Kino weiter, denn in der kleinen Schauburg gab es den Film „Kein Koks für Sherlock Holmes“ in der Vanessa-Redgrave-Retro.


KEIN KOKS FÜR SHERLOCK HOLMES
Der weltberühmte Meisterdetektiv Sherlock Holmes leidet nicht nur unter seiner Drogenabhängigkeit, sondern auch an der daraus resultierenden Paranoia. Diese konzentriert sich vor allem auf einen seiner einstigen Hauslehrer, Moriarty, welchen er für ein kriminelles Genie hält, welches die ganze Welt terrorisiert. Holmes’ Freund Doktor Watson macht sich daher die größten Sorgen und lockt Holmes unter dem Vorwand, Moriarty das Handwerk zu legen, nach Wien. Dort soll der Sigmund Freud Holmes von seiner Abhängigkeit heilen. Doch in Wien angekommen, werden Holmes, Watson und Freud in einen Kriminalfall hineingezogen.
Ein durchaus ungewöhnlicher Sherlock-Holmes-Film, bei dem mehr der junge Sigmund Freud im Vordergrund steht, dessen psychologischer Ansatz es durchaus mit Holmes’ legendärer Deduktion aufnehmen kann. Dabei umschifft der Film eine genaue Genre-Zugehörigkeit. Man hätte das als Komödie inszenieren können, doch obwohl der Tonfall oft leicht ist, entscheidet sich Regisseur Herbert Ross gegen diesen Weg. Auch ein psychologisches Drama wäre möglich, doch dafür ist der Film nicht finster genug, auch wenn Holmes hier eine tragische, von Traumata gepeinigte Figur ist. Natürlich ist es irgendwo auch ein Krimi, selbst wenn die Krimihandlung nicht unbedingt im Vordergrund steht. Und am Ende ist es ein Actionfilm mit einer unfassbaren Verfolgungsjagd Zug gegen Zug.
Was man von diesem Genremix aber mit Sicherheit sagen kann, ist, dass er sehr unterhaltsam ist. Daran sind die Hauptdarsteller nicht unschuldig. Allem voran ist „Kein Koks für Sherlock Holmes“ ein Vehikel für Alan Arkin, der seinen Freud mit viel Charme und begeisterter Energie verkörpert. Nicol Williamson ist perfekt als der verzweifelte, paranoide Holmes. Und der Ur-Amerikaner Robert Duvall gibt einen überraschend britischen Watson. Und natürlich der großartige Jeremy Kemp in seiner Paraderolle als aristokratischer Fiesling Baron von Leinsdorf. Dagegen hat Schauspiellegende Sir Laurence Olivier als Moriarty nur sehr wenig zu tun. Was leider auch für Vanessa Redgrave gilt, die eine zwar wichtige Rolle innehat – allerdings nur kurz auf der Leinwand zu sehen ist.
Ein großes Plus dieses Films ist eine atemberaubende Art-déco-Ausstattung und Kostüme. Und natürlich das clevere Drehbuch des unbedingt wiederzuentdeckenden Nicholas Meyer, welches vielleicht manchmal etwas dialoglastig wirkt, aber mit seinem wilden Mix nie langweilig wird. Dafür sorgen Szenen wie das Tennisduell zwischen Freud und von Leinsdorf, der Mordanschlag per Lipizzaner und die bereits erwähnte finale Verfolgungsjagd.
Danach radelte ich blitzschnell ins Cinema, wo unser zweiter Weird-Xperience-Film „Vampire Zombies… from Space“ lief. Statt mit meinem langjährigen Partner Stefan (der im Urlaub weilte) hielt ich die Einführung diesmal mit der wunderbaren Johanna vom HyperHorrorHappening. Das war auch klasse.
VAMPIRE ZOMBIES… FROM SPACE!
Space Dracula will die Herrschaft über die Erde übernehmen, wird aber beim ersten Versuch – den er über eine Tabakplantage in der Provinz durchführt – unbeabsichtigt durch ein kleines Mädchen, welches ein Kreuz um den Hals trägt, zurückgeschlagen. 10 Jahre später kehrt er mit einer größeren Flotte und einem von seinem missratenen Sohn entwickelten Gegenmittel gegen Kreuze zurück. Dummerweise hat das Gegenmittel einen Nebeneffekt. Denn nun verwandelt sich jedes von einem „geimpften“ Vampir gebissene Wesen in einen Zombie-Vampir. Können die Bewohnerinnen und Bewohner der nahegelegenen Kleinstadt die „Vampire Zombies… From Space!“ zurückschlagen?
Diese kanadische Komödie ist eine durchaus liebevolle Hommage sowohl an Ed Woods „Plan 9 From Outer Space“ als auch an George A. Romeros „The Night of the Living Dead“. Wie diese beiden ebenfalls in Schwarz-Weiß gehalten, gibt es hier und da zahlreiche Anspielungen auf diese Klassiker und Artverwandtes.
Der erste Drehbuchentwurf entstand scheinbar schon zur Uni-Zeit der Macher. Und das merkt man auch, was man sowohl als Vor- als auch als Nachteil auffassen kann. Der Vorteil ist der spürbare Enthusiasmus und die Freude am „Anything Goes“. Da wird wild drauflos gesplattert und alle Klischees und Stereotype werden genussvoll ausgewalzt. Das macht nicht immer viel Sinn, aber man merkt den Machern den Spaß an, den sie mit dem Film hatten. Und der sich im besten Falle auf das Publikum überträgt.
Allerdings sind dementsprechend auch viele Jokes nicht immer zielsicher und tragen das „Gütezeichen“ (männlicher) Pennäler-Humor. Da hört man förmlich die Spätpubertierenden hinter der Ecke kichern. Subtilität oder feine Ironie sollte man also besser nicht erwarten. Dafür viele wirklich hübsche und einfallsreiche, von Hand gemachte Effekte. Diese wechseln sich allerdings mit sehr durchschaubaren CGI-Effekten ab, was etwas schade ist.
Die Darsteller changieren zwischen solide und „überenthusiastisch“. Auf jeden gelungenen Gag kommen mindestens drei geschmacksunsichere, die auch mal nach hinten losgehen. In der richtigen Stimmung und einem voll besetzten Kino macht der Film von Regisseur und Mit-Autor Mike Stasko sehr viel Laune. Allein vor dem Laptopbildschirm kann es etwas zäh werden.
Zum Abschluss kamen noch Ilona und Marc von der Filmfestleitung vorbei, und es gab „einen Film, der nicht genannt werden durfte“. Daran werde ich mich auch jetzt halten und lediglich erwähnen, dass dieser für offene Münder sorgte und ganz viel (positiven) Gesprächsbedarf bei einigen Zuschauern auslöste, sodass ich erst um 1:15 Uhr zu Hause war. Es waren fünf wunderbare Tage, voller toller Filme und schöner Begegnungen. Danke an Ilona und Marc, Herz & Seele des Filmfests. Johanna für die super Einführung. Und vor allem Holger Jekel für die Begleitung und gute Zeit!





Danach gab es eine leckere Pizza bei Vera Delizia, die so riesig war, dass ich fast „Bayaan“ im City46 verpasst hätte. Tatsächlich kamen wir an, als der Film gerade eben begonnen hatte. Leider war das Bild auf der Leinwand in diesen ersten Minuten sehr dunkel. Und erstmals wurde mir bewusst, wie vollkommen die Dunkelheit in einem Kinosaal sein kann. So stolperte ich mehr oder weniger, immer eine Hand an der Wand, nach vorne. Völlig ohne Orientierung, wo denn die Reihen anfangen und ob da überhaupt Menschen sitzen. Auch eine Erfahrung. Irgendwann entschieden wir uns dann für eine Reihe, scheuchten einige Leute auf, ich trat aus Versehen und blind auf den einen oder anderen Fuß, dann ließ ich mich endlich im Kinosessel nieder. Als das Bild auf der Leinwand heller wurde, konnte man deutlich sehen, dass alle Reihen vor uns leer waren. Man hätte also nur einen Meter weiter gehen müssen und hätte sich das Spektakel erspart. Na ja…









THE WINTER OF THE CROW
2551.03 – THE END
Das Filmfest Bremen ist nun schon wieder zwei Monate her. Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen bin ich aber bislang nicht dazu gekommen, diese wundervolle Veranstaltung – die mich in diesem Jahr wieder sehr begeistern konnte – noch einmal Revue passieren zu lassen. Wie immer begann das Filmfest Bremen mit seiner Eröffnungsgala am Mittwoch im Theater am Goetheplatz.








Währen der neapolitanische Schmuggler Luca (Fabio Testi) und seine Mitstreiter am traditionellen Tabakschmuggel festhalten, drängt eine neue, skrupellose Gruppierung aus Marseille auf den Markt und will den deutlich profitableren Drogenhandel etablieren. Der Konflikt zwischen alter Ordnung und neuer Profitlogik führt zu Verrat, Gewalt und persönlichen Tragödien. Luca sieht sich zunehmend isoliert und muss entscheiden, ob er seine Prinzipien bewahrt oder sich den veränderten Machtverhältnissen beugt.





Im Sommer war ich mit meiner Familie drei Nächte in Potsdam. Für uns alle war es der erste Besuch dort, und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Eine Stadt wie ein Museum. Irgendwann schaut man gar nicht mehr auf die prachtvollen Fassaden, Villen und Paläste, sondern versucht, irgendwo ein ganz normales Haus zu finden – was erstaunlich schwer ist. Alle touristischen Hotspots haben wir nicht geschafft, beschlossen aber schon, den Besuch im nächsten Jahr zu wiederholen. Eine wunderschöne Stadt.





















Pünktlich zum Fest ist die neunte Ausgabe des von mir als Chefredakteur betreuten Magazins „70 Millimeter“ erschienen. Dieses beschäftigt sich mit der Filmgeschichte von 1966 bis 1979.
Die geschickte Diebin Mary Read wird verhaftet, als sie gerade als Edelmann verkleidet versucht, eine reiche Dame zu bestehlen. Sie wird in eine Zelle mit dem Sträfling Peter Goodwin geworfen, der ihre Maskerade schnell durchschaut. Die beiden verlieben sich, doch dann wird Goodwin von seinen Freunden aus dem Gefängnis geholt. Er ist nämlich ein Lord, der durch einen unglücklichen Zufall dort landete. Mary bekommt davon nichts mit, kann aber mit einem spektakulären Ausbruch entkommen. Als sie inkognito versucht, Peter zu entlasten, erfährt sie, dass er nicht nur ein reicher Lord ist, sondern sie auch vor seinen Freundinnen verspottet. Wutentbrannt heuert sie auf dem Schiff des Piratenkapitäns Poof an. Als dieser verstirbt, übernimmt sie seinen Platz und auch seinen Namen. Auch Peter verschlägt es zur See, denn durch die Flucht zur Marine versucht er, einer Hochzeit mit einer unattraktiven Dame zu entgehen. Seine erste Mission dort ist es, den Piratenkapitän Poof unschädlich zu machen…