In Rom werden immer wieder Frauen mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Um sie herum verstreut liegen Fotos, die die verheirateten Damen beim Ehebruch zeigen. Bei dem psychopathischen Mörder scheint es sich also um jemanden zu handeln, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, untreue Frauen der feinen Gesellschaft ins Jenseits zu befördern. Inspektor Capuana ermittelt, kann aber den nächsten Mord nicht verhindern.
Dieser Giallo, der neben dem wunderbaren Titel „Schön, nackt und liebestoll“ (ich spare mir jetzt an dieser Stelle naheliegende Scherze darüber) auch unter dem etwas zurückhaltenderen Titel „So schön – so nackt – so tot“ firmiert, gehört zur unteren Hälfte der zweiten Liga dieses Genres. Der größte Teil des Budgets dürfte hier in die Gage des ehemaligen Hitchcock-Stars Farley Granger geflossen sein. Dieser spielt seine Rolle als Capuana dann auch professionell, aber merklich ohne allzu großen Enthusiasmus.
Der Originaltitel „Rivelazioni di un maniaco sessuale al capo della squadra mobile“, übersetzt „Geständnisse eines Sexualstraftäters gegenüber dem Leiter der Kriminalpolizei“, spielt einerseits auf Damiano Damianis Mafia-Meisterwerk „Confessione di un commissario di polizia al procuratore della repubblica“ (mit dem der Film überhaupt nichts zu tun hat) und gibt andererseits die Richtung vor, mit der das Publikum ins Kino gelockt werden soll: Sex und nackte Haut. So werden einige unnötig lange Sexszenen, u. a. zwischen Silvano Tranquilli und Nieves Navarro aka Susan Scott, eingestreut. In den USA ging man sogar noch einige Schritte weiter und schnitt den Film in einen Hardcore-Porno namens „Penetrations“ mit Harry Reems um. Worüber Farley Granger selbstverständlich nicht im Geringsten amüsiert war, da dieses Werk mit seinem Namen beworben wurde.
Was Granger möglicherweise an „Schön, nackt und liebestoll“ gereizt haben könnte, ist die Tiefgründigkeit seiner Figur. Während Inspektor Capuana zu Beginn des Films als glücklicher Ehemann und ordnungsliebender Polizist gezeigt wird, kippt dies am Ende des Films – und es zeigt sich, wie wenig es benötigt, um einen sich selbst als aufrechten Bürger definierenden Menschen auf eine Stufe mit einem wahnsinnigen Mörder zu stoßen. Unter diesem Aspekt hat der Film durchaus eine Botschaft.
Leider wird diese durch ein sehr wirres Drehbuch torpediert. Natürlich ist der italienische Giallo per se kein Genre, welches durch messerscharfe Logik glänzt. Hier hat man allerdings das Gefühl, dass die Autoren (Luigi Angelo, Italo Fasan und Regisseur Roberto Bianchi Montero) zeitweise gar nicht so recht wussten, was sie in ihrem Film eigentlich erzählen wollen. Völlig ohne Not machen sie diverse Nebenhandlungen auf, wie beispielsweise die um den wie immer wahnsinnig großartigen Luciano Rossi als nekrophilen Pathologiemitarbeiter oder die von der Tochter eines Verdächtigen und ihrem revolutionären Studentenfreund. Nur um diese auf ihrem Höhepunkt nicht weiter zu verfolgen und die Figuren abrupt aus der Handlung verschwinden zu lassen. Man hat geradezu das Gefühl, die Schauspielerinnen und Schauspieler hätten nicht mehr bezahlt werden können und wären tatsächlich spontan nach Hause gefahren. Im Gegenzug taucht am Ende eine wichtige Figur auf, die vorher noch nicht einmal erwähnt wurde.
Auch sonst bewegt sich die Plausibilität auf gewohntem Giallo-Terrain. Wie Inspektor Capuana auf wichtige Spuren kommt, ist genauso an den Haaren herbeigezogen wie die mal wieder unfassbar willkürlichen Motive des Täters. Was bleibt, sind also die Schauwerte: Die Messermorde des natürlich an den Killer aus Mario Bavas Über-Giallo „Blutige Seide“ angelehnten „Sex Maniacs“ und viel Nacktheit der weiblichen Besetzungsmitglieder. Beides wird allerdings von Roberto Bianchi Montero eher unspektakulär und nicht besonders kreativ in Szene gesetzt.
Am Ende bleibt ein zwar arg uninspirierter, aber in der richtigen Stimmung gerade aufgrund seiner offenkundigen Schwächen durchaus unterhaltsamer Vertreter des Giallo-Kinos. Man sollte nur vorher wissen, worauf man sich einlässt (was bei einem Titel wie „Schön, nackt und liebestoll“ nicht so schwer sein sollte), dann kann man durchaus seine Freude haben. Und immerhin gibt es zwei interessante Aspekte, die man dem Film zugutehalten kann: Einerseits das Verhältnis zwischen Inspektor Capuana und seiner Ehefrau, welches durch große Liebe geprägt zu sein scheint, aber dann in eine Tragödie kippt. Und dann die Grundidee, dass der Täter Frauen für ihre Untreue/Selbstbestimmtheit zum Tode verurteilt. Ein zutiefst katholischer und misogyner Blickwinkel, der zum Nachdenken anregt und sich in einen aktuellen Kontext (Stichwort: Ehrenmord) stellen lässt.
Das HD-Bild des als neunter Teil der filmArt-Giallo-Edition erschienenen „Schön, nackt und liebestoll“ ist sehr gut. Bei der leicht längeren italienischen Kinofassung, die als Extra enthalten ist, fallen die eingefügten Szenen deutlich ab. Offensichtlich stand kein HD-brauchbares Material zur Verfügung. Da die Szenen auch kurz sind, stört dies auch nicht. Der Ton wird auf Deutsch (in einer soliden Synchronisation), Englisch und Italienisch angeboten. Als Extras sei zuallererst der Audiokommentar von Christian Keßler und Prof. Dr. Markus Stiglegger erwähnt, der sehr unterhaltsam ist. Denn während Prof. Stiglegger immer wieder versucht, sich ernsthaft mit dem Film auseinanderzusetzen, schwärmt Christian Keßler auch schon mal länger über die schöne Nase einer der Darstellerinnen oder erleidet Lachanfälle. Das ergänzt sich perfekt und die beiden geben ein tolles Duo ab. Aufmerksam machen muss man auch auf das Extra, welches sich unter „Selbstlaufende Bildergalerie“ versteckt. Denn dabei handelt es sich um einen französischen Fotoroman des Films. Der ihn natürlich stark kürzt, teilweise vom Film abweicht und vor allem aus Fotos besteht, die am Set aufgenommen wurden und damit keine Bilder direkt aus dem Filmmaterial sind. Dieser alternative Blick auf die Handlung ist besonders reizvoll. Hinter dem Extra „Revelations of a Sex Maniac“ verbirgt sich ein 21-minütiges Interview mit Giorgio Gaslini, der den sehr schönen Soundtrack zu „Schön, nackt und liebestoll“ komponierte. Alle Extras inklusive Audiokommentar wurden von der alten Cinema-Obscura-DVD übernommen.



























Danach gab es eine leckere Pizza bei Vera Delizia, die so riesig war, dass ich fast „Bayaan“ im City46 verpasst hätte. Tatsächlich kamen wir an, als der Film gerade eben begonnen hatte. Leider war das Bild auf der Leinwand in diesen ersten Minuten sehr dunkel. Und erstmals wurde mir bewusst, wie vollkommen die Dunkelheit in einem Kinosaal sein kann. So stolperte ich mehr oder weniger, immer eine Hand an der Wand, nach vorne. Völlig ohne Orientierung, wo denn die Reihen anfangen und ob da überhaupt Menschen sitzen. Auch eine Erfahrung. Irgendwann entschieden wir uns dann für eine Reihe, scheuchten einige Leute auf, ich trat aus Versehen und blind auf den einen oder anderen Fuß, dann ließ ich mich endlich im Kinosessel nieder. Als das Bild auf der Leinwand heller wurde, konnte man deutlich sehen, dass alle Reihen vor uns leer waren. Man hätte also nur einen Meter weiter gehen müssen und hätte sich das Spektakel erspart. Na ja…









THE WINTER OF THE CROW
2551.03 – THE END
Das Filmfest Bremen ist nun schon wieder zwei Monate her. Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen bin ich aber bislang nicht dazu gekommen, diese wundervolle Veranstaltung – die mich in diesem Jahr wieder sehr begeistern konnte – noch einmal Revue passieren zu lassen. Wie immer begann das Filmfest Bremen mit seiner Eröffnungsgala am Mittwoch im Theater am Goetheplatz.








Währen der neapolitanische Schmuggler Luca (Fabio Testi) und seine Mitstreiter am traditionellen Tabakschmuggel festhalten, drängt eine neue, skrupellose Gruppierung aus Marseille auf den Markt und will den deutlich profitableren Drogenhandel etablieren. Der Konflikt zwischen alter Ordnung und neuer Profitlogik führt zu Verrat, Gewalt und persönlichen Tragödien. Luca sieht sich zunehmend isoliert und muss entscheiden, ob er seine Prinzipien bewahrt oder sich den veränderten Machtverhältnissen beugt.





Im Sommer war ich mit meiner Familie drei Nächte in Potsdam. Für uns alle war es der erste Besuch dort, und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Eine Stadt wie ein Museum. Irgendwann schaut man gar nicht mehr auf die prachtvollen Fassaden, Villen und Paläste, sondern versucht, irgendwo ein ganz normales Haus zu finden – was erstaunlich schwer ist. Alle touristischen Hotspots haben wir nicht geschafft, beschlossen aber schon, den Besuch im nächsten Jahr zu wiederholen. Eine wunderschöne Stadt.





















Pünktlich zum Fest ist die neunte Ausgabe des von mir als Chefredakteur betreuten Magazins „70 Millimeter“ erschienen. Dieses beschäftigt sich mit der Filmgeschichte von 1966 bis 1979.